Darf Fußball politisch sein?

Dynamo Donau wird von innen und außen als „politischer” Fußballverein wahrgenommen. Das wirft die Fragen auf: Darf ein Fußballverein politisch ein? Kann er das überhaupt?

Gemeint ist dabei nicht etwa Parteipolitik, sondern allgemeine gesellschaftspolitische Fragen. Ich meine, Fußball kann gar nicht unpolitisch sein. Fußball ist Teil der Gesellschaft und zugleich ihr Spiegel. Im fußballerischen Umfeld zeigen sich Mißstände genauso wie positive Veränderungen. Gesellschaftliche Ungerechtgkeiten – wie Sexismus, Rassismus, Homophobie und andere Formen der Ausgrenzung – gibt es im Sport, das ist unbestritten. Es gilt also auch hier sich diese bewusst zu machen, anzusprechen und zu bekämpfen. Wer die Augen verschließt, bestimmte Aussagen bewusst überhört oder auch mal eine „kleine“ ausgrenzende Bemerkung macht, toleriert die Diskriminierung und verfestigt diese geselschaftliche Ungerechtigkeit so.

Was bedeutet „politisch sein“ und wo beginnt es?
Am und ums Fußballfeld fallen leider oft genug Bemerkungen wie: „Scheiß Neger!“, „Fußball ist kein Mädchensport.“ oder „Das war ein schwuler Pass.“ Wenn sich nun jemand gegen das Benützen von „schwul“ als Schimpfwort oder „Mädchen“ als Abwertung stellt und dies anspricht, wird erst das als „politisch“ wahrgenommen. Gerne wird mit, „Hör auf zu politisieren!“, gekontert.

Aber beginnt das Politische nicht schon bei der ersten Aussage, der Beschimpfung? In meinen Augen ist es ein eindeutig politisches Statement Bezeichnungen von Menschen abwertend zu meinen und so zu verwenden. Schwul ist kein Schimpfwort!

Die oben angeführten Beleidigungen richten sich gar nicht nur gegen mein Gegenüber, dem ich diese an den Kopf werfe. Sie richten
sich viel mehr noch gegen die Menschen, die schwul oder Mädchen sind oder eine andere Hautfarbe als weiß haben.

Fußball ist Politik
Bei Dynamo/Dynama erleben wir aber auch genau das Gegenteil. Frauen und Männer trainieren nebeneinander und sind Teil des selben Klubs. Spieler_innen, die noch keine 20 Jahre sind ballesterern mit Kolleg_innen an die 50. Bei Dynamo gibt es Mitglieder aus rund zehn verschiedenen Ländern. Gerade deshalb sollten wir uns auch bewusst als politischen Verein wahrnehmen und stolz auf diese Tatsachen sein. Als Fußballverein bestimmen wir die Gesellschaft mit, egal, ob wir das wollen oder nicht, egal, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht. Jeder und jede ist Teil der Gesellschaft und trägt die Verantwortung für das eigene Handeln, im täglichen Leben genauso wie als Teil eines Fußballklubs.

Ich finde es gut, dass Dynamo/Dynama sich nicht raushält und seine politischen und gesellschaftlichen Ansichten gezielt positioniert und lebt.

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